Im Interview




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Bekannte Spezialisten wie der Kölner Ernährungsexperte und Tierarzt  Dr. Rene Reinhold stehen für ihre Fragen und Probleme unserer Redaktion zur Seite.
Dr. Hermann Bourgeois von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Royal Canin in Frankreich gibt heute einige Einblicke in die Ergebnisse seiner Arbeit zum Wohl der Samtpfötchen.

 

 

Aktuelles Thema

 
Wie Katzen fressen - angewandte Forschung für eine bessere Schmackhaftigkeit
     

Dr. Bourgeois schloss sein Studium 1986 an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gent ab. Nach 7 Jahren in der Klein- und Grosstierpraxis begann er wissenschaftlich zu arbeiten. Er promovierte über Epidemiologie am Pasteur-Institut in Paris und beschäftigte sich als Wissenschaftler mit Molekulargenetik und klinischer Genetik an der Universität von Rennes. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten über genetische Marker erhielt er ein Fachtierarztdiplom für angewandte Mikrobiologie und Genetik. Nach seiner Ausbildung in der klinischen Forschung kam Dr. Bourgeois zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Royal Canin.

     

 Kernpunkte:

 

 * Die Art der Futteraufnahme (insbesondere von Trockenfutter) variiert in Abhängigkeit von der Katzenrasse sowie der Größe und Form der Futterstückchen

 

* Textur und Härte der Futterstückchen sowie die Katzenrasse beeinflussen die Dauer des Kauens

  * Die Textur der Futterstückchen variiert abhängig von Größe, Form, Durchmesser und Dicke
 

* Textur und Form der Futterstückchen beeinflussen die Eindringtiefe des Zahnes und somit die Zahnsteinbildung sowie auch die Freßgeschwindigkeit

     

 Allgemeine Einleitung

     

Die Wechselwirkung zwischen der Schmackhaftigkeit eines Futtermittels und dem Appetit der Katze, also die Akzeptanz des Futters, ist das Ergebnis verschiedener, an der Futteraufnahme beteiligter aufeinander folgender Vorgänge. Der Akt der Futteraufnahme kann in Futterauswahl, Zerkleinern und Geschmackswahrnehmung unterteilt werden. Jede dieser Stufen wird durch unterschiedliche physikalische Merkmale des Futters definiert.
Die Futterauswahl ist abhängig von der Geruchswahrnehmung, die Futterausnahme wird durch die Stückengröße und -form beeinflusst, die Intensität der Futterzerkleinerung, also des Kauens, hängt von der Textur ab und die Geschmackswahrnehmung schließlich wird durch die Geschmacksstoffe des Futters induziert.
Aus technischer Sicht werden die Merkmale des Futtermittels durch die beim Beschichtungsverfahren verwendeten Aromen und die verschiedenen Variablen der Extrusion bestimmt. Jüngste Beobachtungen weisen jedoch darauf hin, dass auch die Rasse, das Alter, das Geschlecht und der Physiologische Status der kKatze einen Einfluss auf die Futterakzeptanz haben können.

     

 Auswirkung der Rasse und anderer Faktoren auf Geruch, Futteraufnahme und Geschmack

     

Die Geruchswahrnehmung und damit die Futterakzeptanz wird unter anderem durch die Morphologie des Gesichtsschädels beeinflusst. So führt die Art des Schädelprofils entweder zu einem laminaren nasalen Lufteinstrom wie bei der Siamkatze, oder zu einem turbulenten nasalen Lufteinstrom wie bei der Perserkatze.
Darüber hinaus kann ebenfalls die Farbe des Fells, und insbesondere das Vorhandensein perinasaler Melanozyten, die Gesamtanzahl der olfaktorischen Rezeptoren beeinflussen.
Es scheint jedoch, dass Lernprozesse bei der Geruchswahrnehmung eine geringere Bedeutung haben als bei der Geschmackswahrnehmung.
Der Gesundheitsstatus der Katze spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Geruchswahrnehmung. Erkrankungen wie eine chronische Rhinitis und/ oder Sinusitis verringern die Wahrnehmung der Gerüche, und auch die meisten Medikamente verändern die Geruchswahrnehmung.
Die Futteraufnahme bei Katzen wird durch verschiedene, zum Teil rasseabhängige Aufnahmetechniken beeinflusst. Bei Katzen unterscheidet man linguale, labiale und dentale Methoden der Nahrungsaufnahme. Siamkatzen nehmen etwa 85 % ihres Futters mit den Zähnen (Dental) auf, Maine Coon Katzen 53 % mit den Lippen (labial).
Die große Bedeutung dieser Beobachtungen zum Fressverhalten von Katzen für die Entwicklung neuer Futtermittel kann nicht deutlich genug betont werden.

     
 Wie können wir das Zerkleinern der Nahrung, also das Kauen, zur Förderung der Zahnpflege stimulieren ?
     

Neben der Textur und der Härte der Futterstückchen beeinflusst auch die Rasse der Katze die Dauer des Kauens. Bei Futter derselben Größe und Textur kauen Maine Coon Katzen die Nahrung doppelt so intensiv wie Siamkatzen. Die Härte des Futters ist von der Zusammensetzung und vom Herstellungsverfahren abhängig. Veränderungen von Stückengröße, -form, -durchmesser und -dicke verändern die Zerkleinerbarkeit / Kaubarkeit des Futters. Veränderungen von Textur oder Form der Stückchen können die Eindringtiefe des Zahnes bei gleicher Kraft und gleicher Elastizität des Futters verdoppeln. Die durch die geeignete Form, Größe und Textur der Futterstückchen angeregte Kauintensität kann eine mechanische Zahnreinigung bewirken und die Bildung von Zahnstein verhindern.

     
 Ist das Fressverhalten rassespezifisch ?
     
Die angewandte Forschung über die Schmackhaftigkeit von Futtermitteln unterscheidet sich deutlich von den klassischen Verdaulichkeitsuntersuchungen. Sie bestimmt die Gesamtenergieaufnahme, erfasst die Anzahl der Futteraufnahmen, die aufgenommene Futtermenge, die Futteraufnahmegeschwindigkeit und die Dauer der Nahrungsaufnahme.
Mit Hilfe dieser Daten können Unterschiede des Fressverhalten verschiedener Katzenrassen ermittelt werden. Eine jüngst am Royal Canin Forschungszentrum durchgeführte Untersuchung zeigt, dass die Anzahl der Futteraufnahmen, die aufgenommene Futtermenge und die Futteraufnahmegeschwindigkeit bei Katzen unterschiedlicher Rassen unter exakt denselben Umweltbedingungen und mit derselben Ernährungsvorgeschichte signifikant verschieden sind. Wie in vorangegangenen Studien konnte jedoch kein Einfluss des Alters und des Fressverhaltens beobachtet werden.
Vergleichsstudien zwischen Siamkatzen und Kurzhaarhauskatzen zeigen, dass Siamkatzen eine höhere Energieaufnahme bei einer gegebenen Anzahl von Futteraufnahmen und bei höherer Futteraufnahmegeschwindigkeit und somit kürzerer Gesamtdauer der Nahrungsaufnahme haben. Einfacher ausgedrückt heißt das: Siamkatzen fressen mehr, öfter und schneller. Das Fressverhalten von Siamkatzen kann durch Veränderung der Zusammensetzung, der Form, der Größe und der Textur der Futterstückchen modifiziert werden. So kann die Futteraufnahmegeschwindigkeit um 24 % gesenkt und die Anzahl der Futteraufnahmen um 49 % erhöht werden.
Mit Hilfe dieses Konzeptes kann das Fressverhalten von Katzen positiv beeinflusst werden. So können beispielsweise durch eine Verminderung der Futteraufnahmegeschwindigkeit, die bei Siamkatzen häufig nach hastigen Verschlingen von Futter zu beobachten ist, im Extremfall völlig zu verhindern ist. Eine Erhöhung der Anzahl von Futteraufnahmen erhöht die Frequenz alkalischer Stoffwechselsituationen, was vor allem bei Rassen mit Prädisposition oder hoher Prävalenz für Struvitsteine von Vorteil sein kann.
     
 Schlussfolgerung    
     
Die Zielsetzung wissenschaftlicher Untersuchungen der Schmackhaftigkeit sollte sich nicht länger nur auf die Verbesserung der Akzeptanz des Futters beschränken. Die Optimierung der physikalischen Merkmale des Futtermittels erweitert die Funktionalität des Futters und trägt zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Katze und Katzenbesitzer bei.
 

 

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Quelle: Waltham Focus, Jahrgang 13, Heft 3, 2003, S. 24-26

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